Ausformungen der charismatischen Bewegung in unsrer Kirche

Möglichkeiten und Fehlentwicklungen von Charismatik

von Erich Heß

Ich möchte den zweiten Teil meines Vortrags mit dem bereits zitierten Ausführungen des langjährigen Sprechers der katholischen Charismatischen Gemeindeerneuerung, Pfarrer Peter Quirmbach, beginnen. Er hat in einem Interview in der Zeitschrift Charisma gesagt: "Ein Glaubenssatz der Kirche heißt: ecclesia semper reformanda d.h. übersetzt: Kirche ist immer zu reformieren. So ist auch in unserer Zeit der Kirche eine innere Reform im Heiligen Geist geschenkt."

Im Mennonitischen Jahrbuch 2005 fand ich einen Artikel von Privatdozent Dr. Peter Zimmerling zum Thema Einblicke in die Spiritualität charismatischer Bewegungen

Ich zitiere auzugsweise:

1. Charismatische Spiritualität ist pneumatisch ausgerichtet.
In dieser Prägung besteht das eigentlich Neue charismatischer Bewegungen gegenüber der traditionellen westlichen Christenheit. Die pneumatische Orientierung konkretisiert sich in dem Wunsch nach einem bewussten und persönlichen Glaubensbezug zum Geist Gottes, für den gewöhnlich die Geistestaufe, die charismatische Ursprungserfahrung, der Ausgangspunkt ist. Daraus ergibt sich, in Folge der Vernachlässigung des Vaters und des Sohnes, die immer wieder zu beobachtende Tendenz charismatischer Frömmigkeit zu subjektivistischer Verengung und zum Triumphalismus.

2. Die Geistestaufe als Voraussetzung charismatischer Spiritualität
Die Geistestaufe als charismatische Grunderfahrung wird in den einzelnen charismatischen Bewegungen theologisch sehr verschieden interpretiert, was schon am Gebrauch unterschiedlicher Begriffe zu sehen ist. Siegfried Großmann, der Charismatischen Bewegungen nahe, geht von einer mehrgliedrigen, sukzessiven christlichen Grunderfahrung aus, die Umkehr, Taufe, Geistempfang und Eingliederung in eine Gemeinde umfasst. Damit wird die Geist-Erfahrung an den Christusglauben zurückgebunden. Wesley kam durch erlebte Neuorientierung auf den Gedanken des zweiten Segens, der durchaus im NT verankert ist (Apg 2 und 4).

3. Wiederentdeckung der Charismen
Charismatische Bewegungen haben die Bedeutung der Charismen für die christlichen Gemeinden wieder entdeckt, einschließlich der spektakulären Gnadengaben wie Zungenrede, Heilung und Prophetie.
Wolfram Kopfermann definiert das Charisma als "gottgegebene Fähigkeit, sofern sie durch den Geist Jesu Christi der Selbstverfügung entrissen und in den Dienst der Gemeinde gestellt worden ist"
Das heißt, nicht die Übernatürlichkeit, sondern die Orientierung auf den Nächsten macht eine Fähigkeit zum Charisma. Damit ist auch die pfingstlerische Normierung der Charismen zugunsten individueller Mannigfaltigkeit aufgebrochen. Kopfermanns Definition ist so weit gefasst, dass sie entsprechend den neutestamentlichen Vorstellungen Raum lässt für die Verleihung unspektakulärer und spektakulärer Charismen an Menschen mit kleinen und großen Fähigkeiten durch den gleichen Geist.
Wolfram Kopfermann ist eine scharfsinniger Theologe unter den Charismatikern.

4. Geistliche Kampfführung
Die Verdrängung des Evangeliums aus der Zentralstellung für den Glauben führt zu einem nicht im Wort verankerten Geisteswirken. Der Geist wird aus seiner Beziehung zur Trinität und zum konkreten Menschen gelöst und als unpersönliche Kraft verfügbar. Indem die eigentlichen Entscheidungen nicht im Leben des durch das Evangelium angeredeten Menschen, sondern in der geistlichen Kampfführung mit den Dämonen in der unsichtbaren Welt fallen, bekommt das irdische Leben einen unwirklichen Schimmer.

Es gibt eindeutige klare biblische Texte. Paulus spricht vom "Kampf". Ich denke, dass man gerade hier sehr sensibel sein muss, da ein Einfallstor satanischer Selbstdarstellung droht. Geistliche "Kriegführung" sollte im Sinne von Kopfermann überdacht werden; denn Krieg führt der Herr, doch wir stehen im Kampfgewühl (Eph 6, 11 - 20 u. a.)
Das heutige moderne Weltbild, ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss, weil die Naturwissenschaft vergessen hat, dass auch ihre Weltvorstellung ohne Wissen um andere Dimensionen, die auf unsere Materie einwirken, ebenso auf Hypothesen und vom Menschen entwickelten Kriterien beruht. Langsam kommen die Menschen wieder darauf, dass auch hier Selbstbegrenzung (Demut) angebracht ist. Prof. Dr. Heisenberg hat sie besessen. Ich wünsche sie sehr für die Zukunft dieser Zunft.

Ich zitiere noch mal Privatdozent Dr. Peter Zimmerling:

"Insgesamt ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Spiritualität der charismatischen Bewegungen der Gegenwart für die übrige Christenheit unabdingbar: Einerseits kann diese von den Impulsen charismatischer Spiritualität profitieren, andererseits brauchen die charismatischen Gruppen die theologische Korrektur von Seiten der traditionellen Kirchen."

Dr. Bernhard Ott schreibt in einer Stellungnahme u.a. zum Thema:

"Faszination Heiliger Geist: Herausforderungen charismatischer Frömmigkeit Problematisch finde ich auch die Reduktion auf Nähe und Intimität in der Gottesbeziehung. Die Tatsache, dass die biblischen Texte auch von einem distanzierten, fremden und geheimnisvollen Gott zeugen, wird gerne ausgeklammert. Dadurch entsteht ein meines Erachtens überhöhter Anspruch an die persönliche Frömmigkeit, wie auch an den Gottesdienst: Gott will immer nah, intim und wohltuend positiv erlebt werden."

Evan Howard, Leiter eines evangelikalen Zentrums in den USA, schreibt in seinem Aufsatz "Geistliches Wachstum drei Gefahren - Eine kritische HiIfe":

"Ich gehe zu Anbetungs- und Heilungsgottesdiensten. Ich bin gern mit Christen zusammen, die Gott hören, sehen und fühlen wollen. Aber angerührt zu werden bedeutet nicht notwendigerweise, erneuert zu werden. Christliche geistliche Erneuerung hat das Ziel, das ganze Leben (Denken, Fühlen, Reden, Handeln) dem Leben Jesu immer ähnlicher werden zu lassen. Meine Hoffnung ist es, die Sünde so zu hassen, wie Jesus sie hasst, die Ausgestoßenen genauso zu behandeln, wie Jesus sie behandelt, Gott den Vater genauso zu sehen, wie Jesus ihn sieht - und ja, zu heilen, wie Jesus heilt. Starke Erfahrungen mit Gott tragen entscheidend zu unserem weiteren Wachstum bei, aber Christus ähnlicher werden wir letztendlich nur durch ein Leben im Gehorsam und durch die Gnade des Geistes: Christliches geistliches Wachstum. Wenn wir die Erfahrungen mit Gott mehr suchen als den Gott, der diese Erfahrungen schenkt, erleben wir noch kein christliches geistliches Wachstum."

Bei meinen Unterlagen des AGG fand ich ein passendes Papier von Superintendent Reinhold Braun, dass er am 06.04.1993 unter der Überschrift "LEITLINIEN für EmK - Gemeinden zum Umgang mit der Charismatischen Bewegung und ihren Anliegen" heraus gebracht hat.
Ich halte seine Ausführungen immer noch für ausgewogen und aktuell vielfach belegt.

1. Welche Anliegen der Charismatischen Bewegung entsprechen dem Neue Testament und unserer methodistischen Tradition und können deshalb unseren Gemeinden hilfreiche Impulse geben? Wofür dürfen und sollen wir offen sein?

  • Intensive Beschäftigung mit dem Wesen und Wirken des Heiligen Geistes, wie es die Bibel bezeugt. Dem Wirken des Heiligen Geistes bewusst Raum geben.
  • Die Entdeckung und Entfaltung der vielfältigen Charismen (Gaben) einer Gemeinde nach dem Neuen Testament. Verwirklichung des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen.
  • Missionarischer Gemeindeaufbau als Schwerpunkt der Gemeindearbeit. Den Sendungsauftrag Jesu neu erkennen und umsetzen: Gehet hin, tragt die Liebe Gottes in Wort und Tat. zu anderen Menschen. Missionarische Gesinnung und missionarischer Lebensstil aller Glieder.
  • Dem Lobpreis und der Anbetung Gottes genügend Raum geben in Veranstaltungen der Gemeinde und im persönlichen Leben.
  • Lebendige Gottesdienste durch stärkere Beteiligung der Gemeindeglieder und größere Gabenvielfalt in der Gestaltung.
  • Die Bedeutung des Segens und Segnens erkennen und entfalten. Praktizierung verschiedener Formen des Segnens in und außerhalb des Gottesdienstes (Friedensgruß, Segensgebet, persönliche Segnung mit Handauflegung, Krankensegnung, u.a.)
  • Den Dienst der Gemeinde an den Kranken neu einüben und praktizieren (Krankenbesuche, Krankenseelsorge, Fürbitte, Krankensegnung nach Jakobus 5, Charisma der Heilung u.a.)
  • Bildung und Förderung von kleinen Zellen für geistliche Gemeinschaft, gegenseitige Seelsorge, Bibelstudium, Gebet und diakonische Aufgaben (Seelsorgegruppen, Hauskreise, Gebetsgruppen u.a.)

2. Bei welchen Lehren und Praktiken von Gruppen der Charismatischen Bewegung ist Zurückhaltung und Abgrenzung geboten?

  • Wenn der Geistempfang eng mit der Gabe der Sprachenrede verknüpft wird: Die Erfüllung mit dem Heiligen Geist müsse sich am Empfang der Sprachenrede erweisen.
  • Bei einseitiger Überbetonung einzelner Charismen: z.B. der Sprachenrede, der Prophetie, der Heilung und damit verbunden eine Abwertung anderer Gaben.
  • Wenn Unbiblisches über Krankenheilung gelehrt und praktiziert wird, z.B.: Gott will alle Kranken heilen. Wer richtig glaubt, wird geheilt. Wird jemand nicht geheilt, liegt die Schuld bei ihm. Sein Glaube oder sein geistliches Leben ist nicht in Ordnung.
  • Bei der Forderung der Wiedertaufe (Glaubenstaufe), möglichst durch Untertauchen, als Voraussetzung für das volle Heil und die Erfüllung mit dem Heiligen Geist.
  • Wenn Unbiblisches über Satan und Dämonen gelehrt wird, z.B.: Hinter jeder Krankheit und hinter jedem Problem stecke dämonischer Einfluss oder Besessenheit. Auch Gläubige seien stets in der Gefahr, dämonisch belastet oder besetzt zu werden.
  • Wenn Prophetien oder Bilder (Weissagungen) weitergegeben werden, die der Botschaft der Bibel widersprechen. Wenn sie über die Bibel gestellt werden.
  • Wenn Christen mit besonderen geistlichen Erfahrungen eine höhere Stufe des Christseins für sich beanspruchen. Sie stehen in der Gefahr, einem unbiblischen Elitedenken zu verfallen, das leicht zu Spannungen und Trennungen führen kann (wie in der Gemeinde zu Korinth).
  • Wenn emotionale und enthusiastische Erlebnisse überbewertet werden. Wenn die Erfahrung des Heils von der Erfüllung eigener Vorleistungen abhängig gemacht wird. Wenn Christus und sein Heilshandeln von der Mitte des Glaubens an den Rand gedrängt werden.

Ich fasse meine Ausführungen mit Anregungen von James J. Parker, "Auf den Spuren des Heiligen Geistes - Im Spannungsfeld zwischen Orthodoxie und Charismatik", zusammen. Pastor Immanuel Dauner hat Anfang der neunziger Jahre die Gedanken des genannten Autors in ein Papier mit der Überschrift, "Die Geistliche Gemeindeerneuerung" aufgenommen.
Zuerst nenne ich die Möglichkeiten (Chancen) und später Fehlentwicklungen (Gefahren) der Charismatik.

Die Möglichkeiten (Chancen):

  • Sie ist christozentrisch
    Die Hingabe an den lebendigen Christus der Heiligen Schrift und die persönliche Gemeinschaft mit ihm stehen im Zentrum. Sie hält fest an der Trinitätslehre.
  • Leben in der Kraft des Heiligen Geistes
    Dieses Leben mit Christus ist übernatürlich: Jesus befähigt Dinge zu tun, die kein Glaubender von sich aus tun könnte.
  • Intensives Gebetsleben
    Leidenschaftliches, inständiges und ernsthaftes Gebetsleben. Oft auch mit Sprachengebet.
  • Gefühle finden Ausdruck
    Die Öffnung für Gefühle ist positiv. Überströmende Gefühle der Liebe zu Jesus und den Mitchristen, werden gezeigt! Die Freude findet ihre Ausdruckformen, besonders in afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern
  • Allgemeines Priestertum
    Es geht um die Mitwirkung aller vgl. Eph 4,16 - 18 u.a. Das Risiko, Fehler zu machen, wird bewusst in Kauf genommen; aber auf keinen Fall die Passivität der Laien! Es gibt im Gottesdienst keine Zuschauerrollen . Alle sind aktiv: die Herzen öffnen, das Singen, des Beten, der Freiraum für spontane Beiträge (Zeugnisse usw) ist da.
  • Missionarischer Eifer
    Die brennende Liebe bewirkt: Freimut. Zeugnisbereitschaft, Einsatz. Geistl. Leben wird gepflegt in Kleingruppen, Zellen, Hauskreisen, usw.
  • Strukturen sind nur Hilfsmittel
    Die Organisationen und Kirchenstrukturen sind nur Hilfsmittel und dürfen den "Geist nicht dämpfen". Radikale Einstellung: die Probleme müssen an der Wurzel angegangen werden (geistliche Erneuerung). Verändern soviel als nötig.
  • Erwachsenentaufe
    Die meisten neuen Gemeinden folgen eher dem Vorbild der taufgesinnten Bünde. Sie wollen "Alle Gerechtigkeit erfüllen", wie Jesus. Starkes persönliches Erleben. Öffentlich den Glauben festmachen
  • Gebefreudigkeit
    Es herrscht eine große Bereitschaft zu opfern. (AT- Zehnten ist selbstverständlich)

Fehlentwicklungen (Gefahren)

  • Elitebewusstsein
    gefördert durch das Bewusstsein der "Bedeutung" der Bewegung innerhalb des Heilsplanes Gottes für die gesamte Kirche. Die Anfangsstrukturen des NTs sind normgebend für alle Zeiten.
  • Wohlfühlmentalität
    Das Wohlfühlen, gilt als Erlösungsziel. Daraus erwächst die Euphorie "ich bin glücklich!" Extrem wird bei manchen Leitern die Gabe der Heilung vorausgesetzt.
  • Übermäßige Gefühlsbetontheit
    Die Lebendigkeit zieht auch viele extrem gefühlsbetonte und seelisch gestörte Menschen an. Viele finden hier Erleichterung von Spannungen in anderen Lebensbereichen. Das ist ja nicht verwerflich, insofern es im Ganzheitlich erkannt ist (Leib, Seele und Geist umfassend).
  • Undifferenzierter Glaube an direkte göttliche Offenbarungen Überhöhung, als stünden sie Gott näher. Bei starrsinnigen Exzentrikern führt dies zu Spaltungen. Das ist eine Überbewertung subjektiver Glaubenserkenntnisse.
  • Anti-Intellektualismus
    Wer nur noch vom Horizont des eignen Erlebens denkt, der drängt theologische Auseinandersetzungen zurück. Darum begegnet man oft einer Naivität und Unausgeglichenheit im Umgang mit der bibl. Offenbarung. Das kann dazu führen, dass einseitig immer nur gewisse Themen behandelt werden.
  • Exklusivität der Charismen
    Geistliches Wachstum und Reife werden vielfach an den Gaben und ihrem Gebrauch gemessen. Das ist nach Gal 5, "Frucht des Geistes", falsch. Die dort von Paulus gemachten Aussagen sind ein guter Maßstab für alle Wunder, die im Namen Jesu geschehen.
  • Überbetonung des Übernatürlichen
    Es ist eine Gegenreaktion: ständig werden Wunder aller Art erwartet als Kundgebungen der Macht Gottes. Die Erwartung ist, dass Gott ständig die normalen Gesetzmäßigkeiten der Schöpfung aufhebt.
  • Schnelles Streben nach Verselbständigung
    Bei Gegendruck erfolgt die Abkapselung . Bei exzentrischen Führern die Spaltung. Das führt zu unüberlegter Trennung bei Schwierigkeiten in der Gemeinde oder wegen Verlautbarungen der Gesamtkirche im Hinblick auf Theologie, Traditionalismus, Ethik u.a. Wir haben das im AGG auch erlebt und das tat sehr weh.
  • Gefahr von Sektiererei
    Vor allen hat man nur noch die eigene Gemeinschaft im Blickfeld. So werden ausschließlich Redner der eigenen Richtung eingeladen. Der Engstirnigkeit wird Vorschub geleistet. Das ist auch eine Abwertung bestehender Traditionen.
  • Radikale Veränderung und Anpassung
    Alles muss in ihrem Sinne verändert werden!
    Das ist für die weitere Entwicklung ein zu starker Pendelaussschlag.
  • Glaubensversicherung Starkes emotionales Erleben wird angestrebt. Das noch haben, wie die anderen.
  • Moralischer Druck der eigenen Gruppe
    Sich an ihre Regeln zu halten ist bereits Beweis der Spiritualität. So tritt anstelle Christi die sogen. "Vollmacht" der Gruppe und ihres Leiters.
  • Am Wohlstand wird Gottes Segen gemessen
    Da gibt es abenteuerlich Vorstellungen in Wohlstandsländern. Dass Jesus nicht will , dass seine Nachfolgerinnen/ Nachfolger in Armut leben, ist eine lieblose Irrlehre gegenüber allen Glaubenden armer Länder.

Die Mitglieder der AGG haben sich, seit seinem Bestehen, mit diesen Aussagen auseinandergesetzt und stehen dazu, dass die Grundlage jeder geistlichen Erneuerung die Aussagen der Bibel sind. Sie öffnen sich ohne Einschränkungen dem Wirken des Heiligen Geistes.

Georg Schmid, Leiter der reformierten Informationsstelle und Professor an der Universität Zürich schreibt zum Thema Bewegte Charismatiker - Intoleranz bei den Reformierten:

"Die alten Kirchen, Volkskirchen und ältere Freikirchen versteifen sich oft darauf, trocken zu bleiben. Warum das? Dass die großen Kirchen eine Abteilung für trockene Leute führen und pflegen, dagegen habe ich gar nichts einzuwenden. Denn sobald sie das Angebot ein bisschen spiritueller, emotionaler, mystischer gestalten, springen ihnen wieder ein paar Leute ab. Es gibt nun mal Menschen, die gegenüber Gefühlen so zurückhaltend sind, dass sie es sich nicht vorstellen können, ekstatisch in der Gemeinde zu feiern und zu beten.
Aber die großen Kirchen sollten unbedingt dieser Abteilung für trockene Alemannen nicht das ganze Haus des Glaubens überlassen. Sie sollten auch mystische Formen der Frömmigkeit akzeptieren und pflegen. Dem steht die aufklärerisch bestimmte Theologie im Weg, die ganz auf rationale Klarheit setzt. Diese Theologie sagt, dass es keine Wunder gibt, nur den reinen "trockenen" Glauben.
Die Theologen haben die Kirche verkopft und so rational durchgestylt, dass sie darin gefangen ist."

Literatur:

  • G. Bially, C. Kieker, Kl.-D. Passon: Ich will dich segnen - Einblicke in den charismatischen Aufbruch der letzten Jahrzehnte Verlag : Projekt J + Charisma (1999)
  • Fr. Stepper, Die Geschichte der Charismatischen Bewegung Idea-Dokumentation 16/95
  • div. Mitarbeiter, Viele Gaben - ein Geist EmK-heute, Helft 76 (1992)
    (In diesem Heft wird ein umfangreiches Literaturverzeichnis veröffentlicht)
  • Verschiedene Verlautbarungen des AGG in der ehemaligen DDR und in der BRD
    (Anzufordern beim Autor dieser beiden Vorträge)

Graben - Neudorf, 11. März 2005
Pastor Erich Heß